Ringärzte, Kampfrichter und Trainer treffen sich zur Weiterbildung im Dojo Albersdorf der LMA – Academy
Am 31.1.2026 trafen sich die Ringärzte aus Schleswig-Holstein mit den Kampfrichtern und Trainern des Ringsports (Schleswig-Holstein-Amateurboxverband-SHABV und des Kickboxverbandes Schleswig-Holstein WAKO) zu einer gemeinsamen Fortbildung im Dojo Albersdorf der LMA – Academy.
Dieses Treffen findet einmal im Jahr statt, um unter den Verantwortlichen am Ring den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zu vertiefen. Neben der engen Kommunikation werden jeweils auch Referate abgehalten, die sich dieses Jahr mit akuten Gehirn- und Gesichtsverlezungen sowie Spätfolgen nach Kopfverletzungen im Ringsport beschäftigten.
Nach einleitenden Worten gab der Verbandsarzt Dr. Lüer eine kurze Übersicht über die aktuelle Datenlage schwerster Verletzungen im Ring weltweit und betonte dabei, dass Boxen bei weitem nicht die gefährlichste Sportart ist, zum Beispiel beim Bergsteigen und Skilaufen jedes Jahr wesentlich mehr Todesfälle auftreten als in der Folge von Boxverletzungen.
Anschließend hielt der Neurologe und leitende Oberarzt der neurologischen Klinik Itzehoe, Dr. Schwartkop, ein Referat über mögliche Gehirnverletzungen, deren Diagnose im Ring und gab wertvolle Handlungsanweisungen für die weitere Therapie.
Zusätzlich wurden ausführlich mögliche Spätfolgen nach wiederholten Kopfverletzungen diskutiert. Hierzu ist die Datenlage nicht eindeutig, bekannt ist jedoch das erhöhte Risiko neurodegenerative Erkrankungen wie z.B. Demenz oder Parkinson nach wiederholten Kopfverletzungen wie Gehirnerschütterungen oder kleinerer Blutungen.
Die Boxverbände Schleswig-Holsteins wollen sich zukünftig um eine bessere Nachuntersuchung und fachärztliche Betreuung ihrer Sportler nach Kopfverletzungen kümmern, hierzu gibt es klare Handlungsempfehlungen der Sportverbände. Ergänzend hielt der Unfallchirurg Oberarzt Dr. Amiri aus dem Albertinen Krankenhaus in Hamburg ein Referat über Gesichtsverletzungen und deren Therapie.
Es gab klare Empfehlungen zur Akutbehandlung und chirurgischen Weiterversorgung nach offensichtlichen Gesichtsverletzungen.
Der Rechtswart des SHABV, Herr Robert Raebel, stellte im weiteren das neu erarbeitete Schutzkonzept vor sexualisierte Gewalt in Vereinen vor.
Dieses wurde aufgrund eines Vorfalls im letzten Jahr, der über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde, überarbeitet und neu formuliert.
Anschließend gab es ausreichend Gelegenheit für Kampfrichter und Trainer, sich über neue Wettkampfbestimmungen und Verhaltensmaßnahmen am Ring sowohl im Training als auch auf den Turnieren auszutauschen.
Abschließend waren sich alle Teilnehmer einig, dass die Veranstaltung wieder eine gelungene Weiterbildung war, die den Kenntnisstand vertieft und erweitert hat.
Im Anschluss an das Treffen fand ein Vergleichkampf der Kadgamal Organisation im Kickboxen statt, den einige Ringärzte nutzten, um ihren Erfahrungsschatz zu erweitern.
Gez. Dr. Christian Lüer